Archiv für Mai 2011

Kochen als Kunstgattung: „Topografie der Gemengsel und Gehäcksel“ von Dieter Froelich

Donnerstag, 26. Mai 2011

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Durch den wieder hervorragenden Artikel von Stevan Paul bei Nutriculinary nutriculinary.com/2011/04/19/grosartig-topografie-der-gemengsel-und-gehacksel-von-dieter-froelich/ bin ich auf das bemerkenswerte Buch „Topografie der Gemengsel und Gehäcksel“ Topografie der Gemengsel und Gehäcksel von Dieter Froelich www.dieterfroelich.de aufmerksam geworden. Der Künstler Dieter Froelich war mir schon zuvor aufgefallen, als ich ein paar Texte zur „Eat Art“ las und so wollte ich, wenn ich bisher schon nicht die Gelegenheit hatte bei seinen spannenden Gastmahlen dabei zu sein – die immer an verschiedenen Orten stattfinden – zumindest sein Buch lesen.

Das Buch ist in einem kleinen, aber total sympathischen Verlag erschienen, dem Tinto Verlag in Hannover www.tinto-verlag.de. Schaut man sich seine Seite an, so sieht man sogleich, dass er gegen Atomstrom ist und nur Ökostrom bezieht. Klappt man das Buch auf, so stellt man erfreulich fest, dass es klimaneutral gedruckt ist.

Aber nun mehr zum Buch, das mir ausgesprochen gut gefällt und zu einem Standardwerk werden könnte. Das Buch beschäftigt sich detailliert mit der Zubereitung von: Kloß, Knödel, Pudding, Klops, Wurst, Pastete und Terrine, die eigentlich als Resteverwertung ihren Ursprung hatten, aber mittlerweile ist sich wahrscheinlich kaum noch jemand dieser Herkunft bewusst. Wie bei vielen anderen Speisen hat sich auch dabei ein Wertewandel vollzogen, von der „arme Leute Speise“ zur „Delikatesse“. Denn heute fehlt vielen das Wissen und die Zeit für die Zubereitung von Pasteten und Terrinen, so dass solche Speisen heute eher etwas Besonders darstellen.

Der Klappentext des Buches wehrt sich vehement, als Anleitung zum kreativen Kochen verstanden zu werden. Obwohl dies erst etwas ungewöhnlich klingt, lehnt Dieter Froelich viel mehr den Manierismus ab, der immer mehr bei der Speisezubereitung und Benennung vorzufinden ist. Diese Entwicklung halte ich auch für falsch und stimme ihm da völlig zu. Auch die Entwicklung bei Kochsendungen, die in einem gegeneinander gipfeln, lehne ich ? wie er auch ? ab. Ich bin überzeugt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, unterhaltsame und doch gute Kochsendungen zu machen ? Jamie Oliver wäre für mich ein Beispiel dafür. Er distanziert sich auf eine ganz praktische Art und Weise vom Manierismus und führt einem breiten Publikum eine andere Art zu Kochen vor, dabei motiviert er seine Zuschauer ebenfalls so zu kochen.

Dieter Froelich versteht Kochen als Handwerkskunst und wer das Prinzip einer Speise verstanden hat, kann sie in allen möglichen Variationen zubereiten.

Ausführlich erläutert er in seinem Buch die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Speisen und gibt einem eine umfangreiche Sammlung alter Rezepte an die Hand. Man kann so das Konzept und die möglichen Variationen erkennen.

Dabei erfährt man noch viele weitere spannende Informationen. Es gib zum Beispiel ein Kartoffelpasteten-Rezept von 1898 aus einem norddeutschen Kochbuch, in dem ? für mich überraschenderweise ? auch Parmesankäse als Zutat genannt wird. Ich hätte erwartet, dass der Parmesankäse erst später Eingang in die deutsche Küche erhielt. Ich wusste bis dahin auch nicht, dass es Schluckbildchen gibt und um was es sich dabei handelt.

Dieter Froelich will nicht eine antiquierte Kochkunst glorifizieren, die nicht mehr unserer gesellschaftlichen Entwicklung und unseren Bedürfnissen entspricht. Sondern er will regionale Produkte neu entdecken und das Wissen um ihre Zubereitung erhalten. Mit seiner „Restauration“ will er die Kochkunst und das Wissen um die Zubereitung wiederherstellen.

Er hatte bereits vorher mein Interesse im Zusammenhang mit der Städelschule in Frankfurt und den Kochseminaren von Peter Kubelka geweckt. Und so schließt das Buch auch mit einem Auszug aus dem absolut lesenswerten Buche „Die Kunst des Essens“ books.google.de/books?id=05Hh-Hzq4J0C&printsec=frontcover&dq=Die+Kunst+des+Essens&source=bl&ots=YD3-f2YY_K&sig=cAoGiouoPzX9Q0ytYdEzV5uXuN8&hl=de&ei=2-JmS4WVO52YnQPA49go&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5&ved=0CBgQ6AEwBA#v=onepage&q&f=false von Harald Lemke www.haraldlemke.de/index.html über den Künstler Dieter Froelich, der das Kochen als Kunstgattung aus der Kunsthochschule heraus brachte und mit seiner „Restauration a.a.O.“, wobei „a.a.O.“ für „am angegebenen Ort“ steht, einen neuen Raum dafür schaffte. Diese Idee des mobilen Kochens – eine wirklich spannende Endwicklung – wird immer mehr aufgegriffen als Pop-up- oder Guerilla-Restaurant. Wobei ich besonders den sozialen Aspekt und die gesellschaftlichen Veränderungen, die damit verknüpft sind, interessant finde. Dieses Buch ist also auch für alle interessant, die sich weniger für das eigentliche Kochen, sondern sich mehr für das Kochen als Kochkunst wie bei Peter Kubelka, Daniel Spoerri oder eben Joseph Beuys, interessieren.

Der Gratis-Comic-Tag am 14. Mai 2011

Samstag, 14. Mai 2011

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Heute nun ist der Gratis-Comic-Tag, aber ich habe schon in einige der 44 Comics hinein geschaut, die heute in den Comic-Läden kostenlos verteilt werden. Für jeden Geschmack ist etwas dabei und natürlich ist es auch eine prima Gelegenheit aus der Vielzahl unterschiedlicher Comics einmal etwas Neues auszuprobieren. Welche Comics genau zur Auswahl stehen, kann man schon auf der Seite des Gratis-Comic-Tages www.gratiscomictag.de/comics sehen. Dort erfährt man auch, welche Läden daran beteiligt sind und was es noch für tolle Aktionen rund um den Gratis-Comic-Tag geben wird.

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Donald Duck kennen und lieben alle und natürlich ist dieses Comic für Kids geeignet. Es wird zwar von Tick, Trick und Track die These aufgestellt, dass manche Bücher, die Kids lesen, vielleicht doch nicht für Erwachsene geeignet sind, aber das gilt sicherlich nicht für dieses Heft. Schön auch die Geschichte, die zeigt, dass man für seine Kinder nicht Superkräfte braucht, um ein Held zu sein.

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„Bongo ? das Simpsons Comic“ ist für Kids geeignet, aber auch ganz sicher für Erwachsene. Mein Bruder, den manche aus meinem neuen Buch „Cupcakes ? Für die schönsten Feste des Jahres“ Cupcakes: Für die schönsten Feste des Jahres kennen, liebt die Simpsons – auch heute noch ? jedoch, als damals das Foto entstand, gab es noch keine Simpsons.

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„Die Peanuts“ gibt es schon seit 1950 und immer noch ziehen Snoopy, Charlie Brown und seine Freunde einen in ihren Bann.

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Natürlich ist auch allen „Die Muppet Show“ bekannt, obwohl ich diese bisher nur als Verfilmung kenne, aber das Comic-Heft ist ebenso liebenswert und unterhaltsam.

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Auf dem Comic „Thor“ basiert auch der momentan in den Kinos laufende gleichnamige Film. Ich habe ihn zwar noch nicht gesehen, aber er hat sehr gute Besprechungen erhalten, außerdem ist er mit tollen Schauspielern und von dem hervorragenden Regisseur Kenneth Branagh, der durch seine wunderbaren Shakespeare Verfilmungen bekannt ist.

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Ich wollte schon immer mal ein Perry Rhodan Heft lesen, seit ich im Studium jemand traf, der völlig begeistert davon war, sogar so sehr, dass es ihm gelang in seiner mündlichen Vordiplomsprüfung in Experimentalphysik, das Gespräch direkt zu Beginn auf die Physik im Perry Rhodan Universum zu lenken und damit sogar die gesamte Prüfung erfolgreich bestand.

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Das Heft „Comic Zeichenkurs“ macht definitiv Geschmack auf die Bücher „Comiczeichenkurs“, „Comicfiguren zeichnen“ und „Comiczeichenkurs Workbook“. Meine Tochter war auch direkt begeistert und nahm sich das Heft, um sogleich die Anleitung in die Tat umzusetzen.

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„Canardo“ kennen bestimmt auch schon einige – eine wunderbare Mischung aus Marlowe, Columbo und Donald Duck.

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„Der Tod und das Mädchen“ ist eine witzige Geschichte, die Lust auf mehr schräge Episoden des absurden Paares macht.

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„Kids“, ein Comic über das meine Tochter mehr lachen musste als ich.

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„The Goon“ ist wahrscheinlichein ein nicht so bekannter Comic, aber dennoch einer, der sich zu entdecken lohnt.

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…und wer Krimis mag, wird vielleicht auch „Green Manor“ mögen…

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In „Professor Bell“ geht es dann etwas übernatürlich zu. Ebenso wie Professor Bell stark der Romanfigur Sherlock Holmes ähnelt, so ist auch die Atmosphäre daran angelehnt.

Es gibt also eine reichliche Auswahl völlig unterschiedlicher Comics, also schaut doch einfach selbst, was euch gefällt und schnuppert mal in etwas Neues hinein ? es könnte sich lohnen und falls nicht, ist es doch auch nicht schlimm.

10 wunderbare Dinge im März ? außer Cupcakes ? die mir Freude gemacht haben

Donnerstag, 5. Mai 2011

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  • Die Seite des Künstlers Thomas Nufer thomasnufer.com, der schon viele spannende Projekte inszeniert hat. Bisher bin ich immer nur zufällig auf das eine oder andere Projekt von ihm gestoßen, aber nun kann man sich frühzeitig informieren und verpasst keine seiner engagierten und doch witzigen und wirklich tollen Arbeiten. Ich freue mich schon sehr auf die alljährlich wiederkehrende Grünflächenunterhaltung, die dieses Jahr am 28.5. und 11.6. in Münster stattfindet. Also, alle schon mal den Termin vormerken – es lohnt sich bestimmt!
  • Der hervorragende Film „Women without Men“ von der bekannten iranischen Künstlerin Shirin Neshat, deren Arbeiten mir alle ausgesprochen gut gefallen. Der Film hat nicht nur wunderschöne Bilder, sondern führt einen in den Iran des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh, der 1953 durch einen Militärputsch gestürzt wurde und dem der Schah folgte. Der Militärputsch wurde von den amerikanischen und britischen Geheimdiensten initiiert. Dies dient als Hintergrund, um das Leben vier völlig verschiedener Frauen aufzuzeigen. Im Verlaufe des Filmes treffen sich diese in einem Anwesen außerhalb Teherans, das nicht von dieser Welt zu sein scheint ? ein mystischer Zufluchtsort, der geschützt ist, solange Solidarität und Hilfsbereitschaft untereinander bestehen. Der fantastische Film zeigt ein differenziertes Bild des Islams im Iran und wie kosmopolitisch Teheran damals bereits war.

  • Beim Stöbern in der Zeitschrift „Emma“ www.emma.de bin ich auf folgenden interessanten Artikel www.emma.de/ressorts/artikel/kunst/war-ich-gut gestoßen, der endlich mal thematisiert, dass, obwohl Frauen immer noch in den meisten Familie für die Zubereitung der Mahlzeiten verantwortlich sind und obwohl ja Haus und Herd die eigentlichen traditionellen Arbeitsbereiche der Frau darstellen, in Kochsendungen und überall wo man mit dem Kochen Geld verdienen kann, plötzlich fast nur Männer zu sehen sind – angeblich weil sie es besser können. Ein Thema, das ich hier bestimmt noch mal aufgreifen werde.
  • Ich kann mich nicht erinnern, jemals so gelacht zu haben wie bei der DVD „Louise Hires a Contract Killer“. Ein wunderbar absurder Film, bei dem niemand eine normale Rolle spielt, alle sind irgendwie völlig irre. Ich habe den Film im Kino leider verpasst, aber vielleicht war es auch besser so, da wir teilweise so lachten, dass wir den Film stoppen mussten. Manche Stellen sind recht makaber und sicherlich ist es moralisch nicht ganz in Ordnung dabei zu lachen ? aber man kann einfach nicht anders. Die Realität jedoch ? die Ausbeutung der Arbeiterinnen und das Bereichern einiger an der Krise ? die dem Film zugrunde liegt, ist auch nicht in Ordnung, aber da sie Normalität ist, schämt sich dafür keiner wirklich mehr. Also, schäme ich mich nicht für das Lachen beim Film und freue mich, dass der Film auf so unterhaltsame Weise darauf aufmerksam macht. Einen Trailer und noch mehr überzeugende Argumente für den Film findet man unter www.koolfilm.de/LouiseMichel/louisemichel.php4

  • Die Vorankündigung für den „Gratis Comic Tag“ www.youtube.com/watch?v=ipeybzib9JI&feature=related, der am 14. Mai 2011 statt findet. Mehr dazu gibt es auch unter www.gratiscomictag.de. Hier findet man ebenfalls Veranstaltungen, die diesen charmanten Event begleiten. Ich finde es ist eine ganz tolle Aktion, die zum zweiten Mal in Deutschland stattfindet und ebenso wie Cupcakes aus den USA kommt. Dieses Jahr werden 300.000 Comics (44 verschiedene) von 29 Verlagen kostenlos verteilt. Organisiert wird diese außergewöhnliche Aktion von Filip Kolek von Cross Cult www.cross-cult.de. So wird man auf Comics aufmerksam gemacht, die man ansonsten wahrscheinlich nicht entdeckt hätte. Diese Aktion hilft hoffentlich auch dabei, Comics als Kunstform – die man kennen lernen sollte – wahr zu nehmen. Natürlich sind auch eine Menge Comics für Kinder dabei, die auch als solche gekennzeichnet sind.
  • Der in London spielende amüsante Film „Love and other disasters“ mit der wunderbaren Brittany Murphy, die leider viel zu früh verstorben ist. Sie spielt eine Mode-Assistentin bei der britischen „Vogue“, die mit ihrem homosexuellen Freund zusammen lebt. Eine wunderbar witzige und unterhaltsame Liebesgeschichte mit einigen Verwirrungen, aber auch einem Happy End. Ein liebenswerter Film mit viel Freundschaft wie auch einer schönen Atmosphäre und ebensolchen Bildern von London sowie von Mode.

  • Der Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg und ein grüner Ministerpräsident.
  • Die Konsequenzen, die in Deutschland viele Menschen aus der Katastrophe in Japan ziehen, indem sie gegen die weitere Nutzung der Kernkraft demonstrieren und zu Ökostrom wechseln.
  • Das hinreizend komische Buch „Der liebe Gott macht blau“ von Arto Paasilinna. Der Titel ist etwas irreführend, da Gott natürlich nicht einfach blau macht, sondern schon vorher seine Urlaubsvertretung bestimmt ? einen Menschen, um genauer zu sein, einen finnischen Kranführer, der sich der Aufgabe stellt. Ich liebe die Bücher von diesem wunderbaren finnischen Autor und wer sie noch nicht für sich entdeckt hat, sollte das unbedingt nachholen! Seine Bücher sind skurril und liebenswert. Mit seinem aberwitzigen Humor beschreibt er durchaus ernste Thema wie eben Gott, aber auch Selbstmord in „Der wunderbare Massenselbstmord“ und den Weltuntergang in „Nördlich des Weltuntergangs“ ? diese Bücher habe ich ebenfalls alle sofort verschlungen. Seine Bücher sind nicht nur absolut witzig, sondern sind dabei auch ausgesprochen positiv.

  • Der spannende und charmante Film „The Cat´s Meow“ mit Kirsten Dunst und für alle Fans der Serie „Gilmore Girls“ mit Edward Herrmann, dem Großvater von Rory aus besagter Serie. Meine Tochter war mal wieder ganz begeistert, auch von der Musik der zwanziger Jahre, in der diese auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, in die auch Charlie Chaplin verwickelt war, spielt.