?Before the Flood? ? der neue Film von Leonardo DiCaprio zum Klimawandel

before-the-flood

Für eine kurze Zeit war ?Before the Flood? auf YouTube zusehen, da es Leonardo DiCaprio wichtig war, dass der Film vor den Wahlen in den USA zu sehen war, denn neben allem anderem leugnet Donald Trump auch den Klimawandel, obwohl er eine Mauer bauen lassen will ? nein, nicht nur an der Grenze zu Mexiko, sondern auch um seinen Golfplatz, um ihn vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, den es nach der Auffassung Trumps ja eigentlich nicht gibt.

Eigentlich gibt es beim Klimawandel nichts zu leugnen, aber in den USA wird der Klimawandel eher wie eine Religion gehandhabt, an die man glaubt oder eben nicht, sodass dort erhebliche Aufklärungsarbeit erst erfolgen muss. Wir wissen bereits, dass ein Drittel der Amerikaner auch die Evolution leugnet und stattdessen Kreationisten sind, was auch in diversen Filmen und Serien aufgegriffen wird und zur allgemeinen Belustigung dient. Jedoch vergeht einem schnell der Humor beim Klimawandel, denn dazu ist die Situation dann doch zu ernst, um diese enorme Unwissenheit noch witzig oder unterhaltsam zu empfinden. Besonders erschreckend übrigens für ein Land, das als führende Wissenschaftsnation gilt. Wie es dazu kommt, dass auch eine Vielzahl der amerikanischen Politiker wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, zeigt der Film. Natürlich überrascht es keinen, dass wieder einmal der Einfluss der entsprechenden Industrie dahinter steckt. Andererseits wird auch in Europa, auch wenn hier der Klimawandel nicht dermaßen geleugnet wird, nicht annähernd genügend getan.

Der Film beginnt mit dem Bild ?Der Garten der Lüste? von Hieronymus Bosch, das wohl über Leonardo DiCaprio Kinderbett hing ? eine eher ungewöhnliche und befremdliche Wahl für ein Kinderzimmer. Das Gemälde dient im Film als Rahmen auf den später erneut zugegriffen wird, wenn am Ende des Filmes Leonardo DiCaprio eine Audienz beim Papst hat. Wir sehen im Film also eine ganze Reihe berühmter Persönlichkeiten, die sich zum Thema auslassen und für alle Leonardo DiCaprio Fans: Wir sehen im Film auch ganz viel Leonardo DiCaprio ? für viele sicherlich schon daher sehenswert.

Auch die Kritiker an Leonardo DiCaprios Engagement werden gezeigt, die ihm vorwerfen, dass er keinerlei fachliche Kompetenz dazu besitzt, wozu er auch völlig steht. Aber ehrlich, den meisten geht es doch ähnlich und es ist notwendig, dass wir alle gemeinsam ? eben auch die, die sich nicht wissenschaftlich mit dem Thema befassen ? aktiv zur Lösung betragen. Daher finde ich es eher gut, dass Leonardo DiCarpio trotz seiner fehlenden fachlichen Kompetenz andere mit seinem Film auf den Weg nimmt zu der Erkenntnis, dass die Menschheit dringend handeln muss. Auch wenn die meisten lieber davon ausgehen, dass es schon irgendwie geregelt wird, sei es durch Politiker oder die Forschung. Auch Leonardo DiCarpio, obwohl schon seit Jahren engagiert, schweigt betreten als ihm Sunita Narain erklärte, dass eine Änderung des Lebensstils in der westlichen Welt unerlässlich sei. Es scheint, dass es ihm irgendwie bewusst ist, aber er letztendlich nicht dazu bereit ist, was er dann auch für alle Amerikaner kundtut.

Der Film richtet sein Augenmerk in erster Linie auf erneuerbare Energien, Elektroautos und technische Möglichkeiten, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren oder die Folgen aufzuhalten bzw. hinauszuschieben. Zum Schluss werden noch sehr allgemein kurz Punkte benannt, inwieweit jeder einzelne dazu beitragen kann. Mir kommt dieser Teil zu kurz. Ich befürchte, dass für viele der Eindruck entsteht, dass der Klimawandel zwar ein sehr ernstzunehmendes Problem darstellt, um das sich gekümmert werden muss durch die Politik, indem sie alternative Energie wie Wind- und Solarenergie fördert oder durch Industrie und Forschung, die neue E-Autos entwickeln oder andere Technologien, um Energie zu sparen und die Folgen zu reduzieren, aber eben nicht durch einen selbst. Wenn Leonardo DiCaprio durch die Welt jettet, habe ich nicht den Eindruck, dass er seinen Lebensstil in Hinsicht auf das Klima geändert hat und dieses vorlebt, daher werden auch andere nicht motiviert sein, ihren Lebensstil zu ändern.

Übrigens, dass sich unsere Regierungen schon irgendwie darum kümmern werden, darauf würde ich mich nicht unbedingt verlassen. So hat Deutschland zwar ebenso wie UK sowie andere Länder eine Forschungstation in der Antarktis wie auch entsprechende Forschungseinrichtungen, die sich intensiv damit beschäftigen, sodass der Eindruck entsteht die verschiedenen Regierungen sind ernsthaft daran interessiert den Klimawandel zu stoppen, andererseits dienen diese Forschungsstationen auch den Gebietsanspruch der Länder für eine spätere Nutzung der Rohstoffe zu manifestieren.

Leonardo DiCaprio saß vor 10 Jahren bei einer Oprah-Show mit einer Energiesparbirne in der Hoffnung, wenn wir alle diese verwenden, wäre das Problem gelöst. Heute weiß er, dass Energiesparlampen nicht genügen, um das Problem zu lösen. In 10 Jahren wird er vielleicht wissen, dass erneuerbare Energien und Elektro-Autos ebenfalls nicht genug sind, aber dann wird es zu spät sein.

Versteht mich nicht falsch, ich finde den Film gut und absolut sehenswert, mir geht er jedoch nicht weit genug. Ich finde es großartig, dass Schauspieler ihre Beliebtheit für wichtige Sachen nutzen wie auch Mark Ruffalo sich dem Widerstand gegen die Dakota Access Pipeline anschließt. Doch der Klimawandel lässt sich nicht alleine mit erneuerbaren Energie und Elektro-Autos etc. stoppen, sondern es ist dringend nötig, eine grundlegende Änderung unseres Verhaltens und damit unserer Gesellschaft herbeizuführen. Dies wird üblicherweise an das Wort Verzicht gekoppelt, manchmal werden dann direkt daran anschließend Bilder von ärmlichen Kindern in Hütten ohne Strom und Wasser gezeigt, sodass verständlicherweise sogleich eine ablehnende Haltung zu einer Änderung entsteht. Ich bin jedoch überzeugt, dass eine Änderung für uns alle positiv ist ? nicht nur weil wir so künftige Katastrophen verhindern, sondern jeder einzelne von uns wird danach feststellen, dass Änderungen auch befreiend sind und wir so die wirklich wichtigen Sachen für uns entdecken, die uns glücklich machen, sodass wir durch eine Veränderung unseres Lebensstils glücklicher werden. Jedoch gibt es eine kleine Gruppe, die davon profitiert, dass wir unser Verhalten nicht ändern, sodass es uns sehr schwer gemacht wird, Änderungen umzusetzen. So ist aus meiner Sicht nicht der Klimawandel das größte Problem, sondern das System, das ihn ermöglicht, sodass, um den Klimawandeln zu stoppen, dieses System geändert werden muss. Damit würden auch weitere Probleme der Menschheit gelöst, die sich gegenseitig verstärken. Die nötigen Änderungen unserer Gesellschaft werden jedoch nicht in unserer patriarchalen Gesellschaft möglich sein, da diese Teil des Problems ist. Erst seine Strukturen haben uns an diesen Abgrund geführt, vor dem uns nur noch ein Rückkehr zu einer matrilinearen Gesellschaft bewahren kann.

Bei dem Dakota Access Pipeline Protest führen Frauen den Widerstand an. Ihnen ist es gelungen alle indigen Stämme, das sind über 300 Stämme, im Protest zum ersten Mal zu vereinen. Daher wird von dieser Bewegung erhofft, dass sie sich global ausdehnt und aktiv für unsere Umwelt einsetzt. Frauen sind im alten Glauben der Indianer Hüterinnen des Wassers. Ihre führende Rolle wird auch von den Männer der Bewegung anerkannt, die ihnen unterstützend zur Seite stehen. Sie beten gemeinsam für Mutter Erde. Auch in anderen Kulturen wie bei den Kelten waren Frauen Hüterinnen des Wassers und der Natur. Sharon Blackie schreibt darüber sehr schön in ihrem Buch ?If Women Roses Rooted?. Sie stellt auch kurz Polly Higgins vor, die Schottin ist und in London als Anwältin arbeitet und nun ihr Wissen und Fähigkeiten als Anwältin nutzt, um ein Gesetz (Ecocide) durchzusetzen, dass eine gesetzliche Basis schaffen soll, welche die Natur und damit den Menschen vor alles andere stellt wie den wirtschaftliche Interesse von Konzernen, die beim Umsetzen ihrer Interessen unsere Umwelt zerstört zurücklassen. Auch hier wieder eine Frau, die sich für den Schutz unserer Umwelt stark macht.

Kommentieren