?I, Daniel Blake? ? ein wunderbarer Film von Ken Loach

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Die Geschichten im Film sind so abstrus, dass sie fast für übertrieben gehalten werden können. Aber wie immer hat Ken Loach und sein Team gründlich recherchiert und all die Personen getroffen, auf denen die verschiedenen Anekdoten basieren und wie die Welle an Reaktionen zeigt, die der Film hier in UK ausgelöst hat, sind es keine Einzelfälle, sondern Ausdruck eines unmenschlichen Systems. So machte bei Twitter der Hashtag #IamDanielBlake die Runde, zu dem viele ihre eigenen Erfahrungen mit dem Sozialsystem äußerten. Auch einige Journalisten berichteten über ihre Erfahrungen in den verschiedenen Zeitungen.

Im Film trifft Daniel Blake, der bis zu seinem Herzinfarkt immer gearbeitet hat, auf Katie, eine arbeitslose, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Beide ringen mit dem Irrsinn des Sozialsystems, das eine menschliche und gerechte Behandlung unmöglich macht. So verbietet der Arzt Daniel Blake nach seinem schweren Herzinfarkt zu arbeiten, um sich zunächst zu regenerieren und hält eine Rehabilitationsphase für unumgänglich. Das sollte eigentlich für jeden genügen ? aber nein. Im Grunde ist das Sozialsystem so konzipiert, dass es Daniel Blake mit allen Mitteln erschwert wird, das ihm rechtmäßig zustehende Geld zu erhalten. Dies führt auch zu völlig skurrilen, lustigen Situationen, sodass trotz der ernsten Geschichte im Film gelacht werden kann. Die beiden unterstützten sich, obwohl es Daniel Blake anfänglich schwer fällt Hilfe anzunehmen, er gibt lieber welche. Doch als seine Situation ebenfalls immer mehr eskaliert, nimmt auch er Hilfe an.

Ken Loach hat eine wunderbare Art seine Figuren mit Verständnis, Respekt, Achtung und Würde dazustellen, sodass auch die, die noch nicht auf ein funktionierendes Sozialsystem angewiesen waren, erkennen, dass dieses System nicht funktioniert und die Menschen, die darauf angewiesen sind, unsere Unterstützung dringend benötigen.

Auch wenn ich den Film für recht britisch halte, zum Beispiel wenn Daniel Blake entgegen aller Erwartungen völlig entnervt seinen Frust an die Wand sprüht und recht unterschiedliche Menschen ihm dabei unterstützend applaudieren ? ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in Deutschland dafür Applaus erhalten würde ? trotzdem oder gerade deshalb halte ich den Film ebenfalls für absolut sehenswert in Deutschland.

Im Film wird auch auf die problematische Situation von Frauen hingewiesen, da Hygieneartikel wie Tampons etc. zu wenig für die zahlreichen Foodbanks gespendet werden ? sicherlich weil es bisher ein Tabuthema war und daher viele einfach oft nicht daran denken. Hier in Schottland machen mittlerweile auch vermehrt Männer gezielt darauf aufmerksam und twittern, dass mal wieder unbedingt Tampons, Binden, Menstruationstassen etc. gespendet werden müssen. Auch der Twitter Account @ABagForKatie ist als Reaktion auf den Film entstanden und animiert einfach mal eine Tüte mit Hygieneartikeln zupacken und bei der nächsten Foodbank vorbeizubringen.

Ach, nehmt sicherheitshalber Taschentücher mit, auch wenn der Film teilweise witzig ist, so hat die Dame neben mir zum Schluss Rotz und Wasser geheult.

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