Schenken ? nervig oder ein wichtiger Bestandteil des Umgangs miteinander?

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Weihnachten steht vor der Tür und wieder klagen viele, besonders in Deutschland, darüber, weil sie das Schenken als Zwang empfinden ebenso wie über den damit verbundenen Konsumrausch. Auch von den diversen Spendenaufrufe zu Weihnachten sind viele genervt. Doch auch wenn ich zuerst zustimmen will ? denn auch ich finde die Müllberge irrsinnig, die dabei jedes Jahr entstehen, weil vieles völlig überflüssig ist und somit eine sinnlose Verschwendung von Rohstoffen und Energie, ich mag auch nicht den lieblosen Austausch von Geschenken ? so zögere ich doch letztendlich, weil Schenken eigentlich total schön ist. Daher halte ich es auch für völlig verkehrt mit dem Schenken aufzuhören, sondern versuche, indem ich mir den Ursprung des Schenkens bewusst mache, dem Schenken wieder eine positivere Richtung zugeben.

Mittlerweile können wir davon ausgehen, dass es bis etwa vor 12.000 Jahren eine matrilineare Gesellschaft gab, in der Schenken und Geben ein wichtiger Aspekt der Gemeinschaft war, auf dem das Wirtschaftssystem beruhte. So gaben die Menschen von ihrem Essen ab, wenn jemand aus der Gemeinschaft aus irgendeinem Grund nicht genug hatte, sie versorgten ihre Alten und Kranken ebenfalls erhielt ein hungriger Fremde Speis und Trank wie auch einen Platz zum Schlafen und falls er fror, etwas zum Wärmen, somit gaben die, die gerade mal etwas mehr hatten, denen die weniger hatten.

Schenken oder einfach Geben ist also ein Überbleibsel wie auch ein Verweis auf eine aus meiner Sicht besseren und erstrebenswerteren Gesellschaftsform. Heute schenken wir zumeist nicht mehr denen, die es wirklich benötigen, obwohl es davon genügend gibt, sowohl in unserer Gemeinschaft als auch Fremde, die als Flüchtlinge an unsere Tür klopfen und um Hilfe bitten, die wir ihnen jedoch zu häufig verwehren. Sondern wir schenken denen, die wir gut kennen, die jedoch meist selbst genügend haben, dadurch kommt es zu dem oft beklagten weihnachtlichen Konsumrausch. Vielleicht sollten wir denen, für die uns kaum was einfällt, weil sie bereits viel zu viel haben, lieber nur eine liebevolle Aufmerksamkeit schenken wie selbstgebackene Kekse etc. oder sie ein neues Buch entdecken lassen und zusammen denen was schenken, die es wirklich brauchen.

Schenken in seiner Grundform macht sowohl dem Beschenkten als auch dem Schenker Freude und sollte beiden ein gutes Gefühl vermitteln und falls das mal nicht zutrifft, ist es bereits zu sehr vom bestehenden System korrumpiert worden, sodass wir uns einfach an den Ursprung des Schenkens erinnern sollten, um es in diesem Sinne wieder zu modifizieren.

Übrigens, ich würde viel lieber in einer Welt leben, in der jeder hat, was er benötigt, einem Gesellschaftssystem, das dem vor 12.000 Jahren gleicht, denn es wäre eine gerechtere Welt, die eine Zukunft hat, denn das System der Ungleichheit und dem damit verbundenen Wunsch nach immer mehr führt unweigerlich zu einer Zerstörung unseres Miteinanders, unserer Umwelt und somit auch zu der unsrigen. Ach, und die Argumentation es reicht nicht für alle, stimmt so auch nicht, denn wir werfen soviel Lebensmittel weg, dass diese zur Ernährung der gesamten Menschheit genügen würden und auch alles andere würde reichen, wenn wir wir damit anders umgehen würden. Auch vermute ich, dass wenn Frauen alleine über ihren Körper wieder bestimmen würden ? auch so etwas, was mir an einer matrilinearen Gesellschaft gefällt ? es keine Überbevölkerung gäbe, wodurch dann auch einige Probleme der Menschheit wegfallen würde. Wir werden jedoch diese matrilineare Gesellschaftsform leider nicht so einfach wieder etablieren können, aber es wäre sicherlich erstrebenswert und die Rettung aus der Misere, in der wir stecken, auch wenn dies noch nicht für alle ersichtlich ist.

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