Edinburgh International Book Festival vom 12. bis zum 28. August 2017

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Wir haben in Edinburgh zahlreiche großartige Festivals. Vermutlich ist es die Stadt mit den meisten Festivals auf der Welt. Besonders im August finden mehrere Festivals parallel statt und die Stadt ist überfüllt mit Touristen, die ebenfalls diese wundervolle Stadt und die unzähligen Veranstaltungen genießen möchten. Für mich hat sich über die Jahre das Edinburgh International Book Festival als mein liebstes Festival herauskristallisiert. Immer sind einige wirklich große Namen dabei, die ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass mir ebenso ? wenn nicht sogar mehr ? die mir unbekannten Autoren fast mehr Freude bereiten, deren Bücher ich dadurch erste entdecke und lieben lerne. Die Auswahl an Lesungen ist enorm. So sind dieses Jahr beim Edinburgh International Book Festival 1000 Autoren aus 45 Ländern anzutreffen. Also, schaut am besten selbst mal ins Programm, falls ihr plant im August hier Urlaub zu machen, um nach euren Interessen auszuwählen. Hier nun meine ganz persönliche Auswahl für dieses Jahr, von der euch vielleicht auch das ein oder andere interessieren könnte.

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Großartig fand ich bereits schon letztes Jahr das Konzept von ?Afternoon Tea with ??. Ich muss gestehen, dass ich einfach für alle Karten bestellt hatte, auch wenn ich vielleicht sonst allein für die Lesung nicht unbedingt Karten bestellt hätte. Dennoch waren alle interessant und ich konnte so manches Neues entdecken. Es gab Tee, soviel man wollte und auch reichlich Kuchen, für jeden liebevoll zusammengestellt und am Platz serviert, wobei wir, wie hier bei solchen Gelegenheiten üblich, mit anderen einen Tisch teilten, sodass sich einige nette Gespräche ergaben, da wir hier alle sehr kommunikativ sind. Auch wenn wir zu zweit zu einem solchen Event gehen, reden wir immer mit allen. Alles andere würden wir als unhöflich betrachten. Auch dieses Jahr finden einige ?Afternoon Tea with …? mit spannenden Lesungen statt, die ich nur unbedingt empfehlen kann.

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Das Festival ist auch eine wunderbare Gelegenheit schottische Autoren kennenzulernen. Wir haben zahlreiche international bekannte Autoren, von denen auch einige in Edinburgh leben und die zum festen Bestandteil des Edinburgh International Book Festivals geworden sind wie Ian Rankin, Ali Smith, A L Kennedy, Louise Welsh, Lin Anderson, Alexander McCall Smith, Chris Brookmyre, Val McDermid, John Niven und Carol Ann Duffy, wobei ich besonders Ali Smith liebe, deren Lesungen immer ausgesprochen anregend und spannend sind. Aber jedes Jahr kommen immer wieder neue Autoren hinzu, deren Bücher es noch zu entdecken gibt.

Oft vermitteln diese schottischen Autoren ein gewissen Einblick in die schottische Seele und das Leben hier. Einige Lesungen beschäftigen sich auch konkreter mit der Zukunft unseres Landes ebenso wie mit dessen Vergangenheit. So in der Lesung von John Hunter ?Schmall Islands, Big History?, wobei ich besonders auf die ?large female warriors of Eigg? gespannt bin.

Auch Laurie Penny wie andere feministische Autorinnen werden da sein und es gibt einen Themenblock ?This Woman Can? mit spannend klingenden Lesungen wie ?Best of British Woman? oder ?In Praise of Nasty Women?.

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Übrigens, die Bücher zu den Lesungen können gleich in den Festival eigenen Buchläden (einer für Kinder und einer für Erwachsene) erworben werden. Auch signieren die Autoren zumeist nach der Lesung noch ihre Bücher, die dann dort gleich erworben werden können. Sogar wenn man keine Karte mehr für die Lesung bekommen hat ? obwohl ein Versuch sich immer lohnt, ein zurückgegebenes Ticket zu ergattern ? kann sich in die Reihe zum Signieren angestellt werden.

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Auch zum Thema ?Age of Political Earthquakes? gibt es einige für mich interessant klingende Beiträge, die sicher zum Weiterdenken anregen. Meist geben diese Vorträge neue Informationen, die einen des öfteren zum Vertiefen und Lesen des Buches motivieren. Üblicherweise habe ich bei solchen Vorträgen das Buch nicht im Vorfeld gelesen und entscheide erst durch den Vortrag, ob es sich für mich lohnt. Also, sich nicht von einem spannend klingenden Vortrag oder Autor abhalten lassen, nur weil das Buch vorher nicht gelesen wurde, es lohnt sich trotzdem immer.

Auch das Thema ?Writing the City? zu dem es diverse Vorträge und mehr gibt, finde ich ausgesprochen interessant. Ebenso wie ?Vision of the Future: Britain after Brexit? zum Beispiel mit Anthony Barnett, dem Mitbegründer von openDemocracy, die spannenden investigativen Journalismus betreiben, zum Beispiel dem Geld folgen, dass über DUP (Nordirland) in Brexit-Kampagnen in England und Schottland floss.

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Auch die wunderbare Verbindung von Musik und Literatur, die schon letztes Jahr mir großartig gefallen hat, wird dieses Jahr fortgeführt. So bin ich gespannt auf Aidan O?Rourkes musikalische Antwort auf das Buch ?365? von James Robertsons sowie Kirsty Law und viele mehr.

An großen Namen, die mich interessieren, sind dieses Jahr Chimamanda Ngozi Adichie, Elif Shafak, Zadie Smith, Siri Hustvedt, Paul Auster, Hanif Kureishi, Colm Tóibín, Peter Høeg, Bernard MacLaverty, Matt Haig, John Banville, Richard Ford und Paula Hawkins vertreten. Francis Spufford, dessen Buch ?Neu-York? mir der Rowohlt Verlag bereits netterweise geschickt hat ? was ich jetzt dringend lesen möchte ? und der gerade den Desmond Elliott Prize gewonnen hat, ist ebenfalls beim Festival.

Auch bekannte, schreibende Schauspieler sind beim Festival anzutreffen wie Charlotte Rampling und Simon Callow.

Ebenso sind dieses Jahr beeindruckende Autoren wie Elif Shafak und David Mitchell an der Auswahl der Gäste beteiligt, die sie dann auch dem Publikum vorstellen, wobei die Auswahl schon überaus spannend klingt und sich diese Veranstaltungen sicherlich schon daher lohnen werden. Elif Shafak und David Mitchell konnte ich schon zuvor mit ihren eigenen Büchern beim Festival kennenlernen, sodass ich gespannt auf diese Lesungen blicke.

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Mich ziehen nicht nur die unzähligen großartigen Lesungen und Autoren an, die das Edinburgh International Book Festival uns jedes Jahr bietet und die einen noch lange danach bereichern mit ihren Ideen und Büchern, sondern ich liebe besonders die großartige Atmosphäre dort. Sie ist entspannt und herzlich und der Garten inmitten des Festivals lädt zum Entspannen ein.

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